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Nerven wie Stahl bei Metalldetektortests im Abitur

Flughafenatmosphäre in der Elsa? Einlasskontrollen? Wieso es in der Schule piept.

7:50 Uhr morgens. Die Stimmung ist angespannt, fast gehetzt. Es hat sich eine Schlange gebildet, nur langsam geht es voran. Person nach Person wird kontrolliert. Die Tasche wird abgegeben, alle technischen Geräte werden separat gelegt, dann die Prüfung mit dem Metalldetektor. Es piept, die Person legt eine Kette und einen Ring ab, noch einmal wird geprüft. Die Person hebt abwehrend die Hände, trotzdem wird sie in einen anderen Raum geführt, um dort abgetastet zu werden.

Ein ganz normaler Morgen am Flughafen Hannover – aber auch bald an der Elsa. Was ist da los?

Bei den Abiturprüfungen der letzten Jahre gab es laut NDR immer häufiger Täuschungsversuche mithilfe von Handys und vor allem: mithilfe von KI. Schüler*innen gaben zwar ein Handy ab, behielten aber ein Zweit-Handy bei sich, mit dem sie z.B. auf der Toilette dann Fragen recherchieren oder sich ganze Antworten von der KI geben lassen konnten.

Um diesem Problem zu begegnen, muss man Wege finden, auch potentielle Zweit- oder Dritt-Handys zu finden und einzukassieren. Aus dem Grund wird seit diesem Schuljahr in den Jahrgängen 12 und 13, also den abiturrelevanten Jahrgängen, vor Klausuren mit Metalldetektoren geprüft, ob Schüler*innen noch ein weiteres elektronisches Endgerät bei sich tragen.

Viele Schülerinnen üben Kritik an diesem Verfahren. Bei den Abiturprüfungen gibt es männliche und weibliche Lehrkräfte, die die Schülerinnen kontrollieren, bei allen anderen Klausuren ist nur die Kurslehrkraft anwesend. Das führt dazu, dass männliche Lehrkräfte auch weibliche Schülerinnen kontrollieren müssen und anders herum. Auch ohne diese Gegebenheit bezeichnen Schüler*innen die Metalldetektoren als einen Eingriff in die Privatsphäre, durch diese Tatsache fühlt es sich noch mehr wie einer an.

Die Metalldetektoren piepen bei allem und andauernd. Hosenknopf? PIIEEEP! Reißverschluss am Schuh? PIIIEP! BH-Verschluss? PIIEEEP!

Vor allem wirkt es so, als stünden wir alle unter Verdacht, dass wir spicken würden. Unabhängig davon, ob wir das tun oder nicht, so eine Prüfung in Kombination mit Druck, Stress und Nervosität macht die Klausuren nicht unbedingt entspannter.

Ich selbst wurde auch schon bei einer Klausur mit einem Metalldetektor geprüft. Und die Erfahrung war in Ordnung. Aber das lag unter anderem daran, dass es bei einer weiblichen Lehrkraft war und in einer lockeren Atmosphäre des „Wir wollen alle mal ausprobieren, wie das ist mit den neuen Metalldetektoren!“. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich bei anderen Lehrkräften und Klausuren sehr viel unwohler fühlen könnte und mir garantiert auch mehr Druck machen werde, dass der Metalldetektor auf gar keinen Fall piepen darf – was schier unmöglich ist. Ich müsste im Schlafanzug, auf Socken und ohne jegliche Haarspangen erscheinen – und das ist nicht gerade der Aufzug, der allgemein der passende für mein Abitur ist.

Ob die Metalldetektoren sich durchsetzen oder die Regelung noch einmal überarbeitet wird, werden wir sehen. Aktuell erfährt sie viel Gegenwind, Alternativvorschläge stehen aber meines Wissens nach nicht im Raum.


© Stroemsheet