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Sophie ist gegen... Die Abschaffung des Seminarfachs

Wir sind bei Strömsheet gerade nostalgisch. Daher lebt eine alte Kategorie wieder auf - Sophie ist wieder da und gegen…

Es ist die Zeit vor Weihnachten. Noch ist es November, aber die Vorfreude ist schon da auf den Adventskalender, die Plätzchen und vor allem: Den wunderbaren Weihnachtsduft. Zumindest wünscht man sich das – stattdessen ist die Realität in der Oberstufe oft eine andere. Klausuren über Klausuren kommen auf einen zu, man steckt bis über beide Ohren in Schulbüchern und dann kommt auch noch die Hausarbeit obendrauf. Eine Horrorzeit. Trotzdem wird es im Frühjahr noch schlimmer, genauso viele Klausuren, wenn nicht sogar mehr, und eine noch längere Arbeit: Die Facharbeit.

Deswegen bin ich gegen die Abschaffung des Seminarfachs.

Moment – was? Wenn die Haus- und die Facharbeit so stressig sind und Generationen von Schülern in den Wahnsinn getrieben hat, wieso bin ich dann trotzdem dafür, das Seminarfach zu behalten?

Grundsätzlich finde ich das Konzept, die Haus- und Facharbeit (im Folgenden nur Facharbeit) mitten in die Klausurenphase zu legen und zu erwarten, dass etwas brauchbares dabei herum kommt, auch nicht gut. Aber darum geht es mir bei dem Seminarfach nicht.

Das, was das Seminarfach grundsätzlich machen soll, ist eine Vorbereitung auf das Studium, indem Kompetenzen wie das wissenschaftliche Arbeiten, das Arbeiten mit Buchquellen sowie das Konzept von Hausarbeiten näher gebracht werden soll. Und mit den richtigen Methoden ist das extremst sinnvoll. Auch das selbstständige Arbeiten während der Facharbeit ähnelt mehr dem Unialltag als der Schule, wo es viel Partnerarbeit und viele Hilfestellung beim Erschließen eines Themas gibt. In den Universitätsalltag geworfen zu werden ist schwierig genug, da hilft es, immerhin etwas mehr Sicherheit zu bekommen.

Dabei lässt sich darüber streiten, ob dieses Lernen der Methoden unbedingt über eine Facharbeit geschehen muss. Prinzipiell mag ich die direkte Anwendung in einer eigenen Arbeit, aber wie schon angesprochen lässt sich diese nicht gut im Schulalltag unterbringen. Eigentlich sollten keine Hausaufgaben während der Facharbeitszeit gegeben werden, um schert sich allerdings kaum ein Lehrer. Und Klausuren liegen auch in der Facharbeitsphase, weil es sich zeitlich sonst nicht vereinen lässt. Könnte man diese Faktoren aber irgendwie verbessern, wäre eine Facharbeit ein wichtiger Teil des Seminarfachs. In meinen Augen lernt man dadurch sehr viel mehr als durch bloßes „So und so muss man wissenschaftlich arbeiten, und das sind gute Quellen für Bücher. Bis nächste Woche!“. Das hat man nach drei Tagen spätestens wieder vergessen, wenn man das aber plötzlich selbst anwenden muss, passt man viel besser auf und wenn das dann auch bewertet wird, gibt man sich vielleicht sogar Mühe, sich das alles zu merken.

Also, um meine Frage vom Anfang zu beantworten: Ich bin für ein Seminarfach, das Schülern das wissenschaftliche Arbeiten gut näher bringt. Und deswegen bin ich für dessen Erhaltung. Ich bin aber nicht für ein Seminarfach, das einem nur eine Last ist, kaum Input bietet und einem einen Berg voll Arbeit auflädt, und wo man am Ende nicht schlauer aber dafür mit einem halben Burnout zurück bleibt.




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