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Stress, Stress und noch mehr Stress

Das verfluchte Wort der Zwölftklässler aller Schulen Deutschlands fliegt gerade herum. Es raubt ihnen die Zeit, die Energie und zum Teil auch die Motivation, weiterzumachen. Es geht um die Facharbeit.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich gerne mit Sachen, die mir gefallen. Zu musizieren, zu schlafen, zu fotografieren, mich mit Freunden zu unterhalten und noch vieles Weitere sind unter anderem die Beschäftigungen, die ich in meiner Freizeit gerne machen würde. Die Betonung liegt auf „würde“, denn dafür habe ich momentan keine Zeit.

Zehn bis 15 Seiten, geprägt von intensiver Recherche und Arbeit, das Suchen nach Interviews und die Planung und Durchführung der Interviews und das nervige und kostenpflichtige Bindenlassen des Textes umfasst unsere Facharbeit, die wir innerhalb von sechs Wochen abgegeben haben müssen.

In der Theorie klingt das gerecht und gut machbar, aber in der Praxis zeigt es sich ganz anders.

In den ersten zwei Wochen passiert fast gar nichts. Man hat nur das Thema der Facharbeit bekommen und fragt sich untereinander, wer über was schreibt. Schließlich stecken wir alle im gleichen Schuh. Die meisten der Schüler*innen fühlen sich von dem Zeitdruck noch nicht bedroht und denken, dass sie die Facharbeit entspannt in den nächsten Wochen schreiben können.

Nach einer weiteren Woche hat man dann eine Seite geschrieben, nach noch einer Woche eine weitere und dann fängt der große Stress an. Plötzlich merkt man, dass sich die Facharbeit doch nicht so einfach schreiben lässt.

Wo der Alltag in den letzten Wochen so ruhig und angenehm erschien, ist für die letzten Wochen vor der Abgabe intensives Schreiben angesagt. Aber Moment! Die Klausurenphase hat jetzt auch angefangen! Und dazu kommt noch der anstehende Tag der offenen Tür, Fahrstunden in der Fahrschule und noch weitere außerschulische Aktivitäten kommen auf mich zu… Warum alles ausgerechnet jetzt?!?

Okay klar, für was ich außerhalb der Schule tue, bin ich selber verantwortlich, aber ich bin auch nicht der einzige gestresste Schüler. Lehrkräfte sagen gerne „wir wissen, dass ihr gerade die Facharbeit schreibt, aber…“ ABER! Meine 24 Stunden am Tag haben keinen Platz für ein „aber“. Ich kann keine Hausaufgaben, Präsentationen, Klausuren UND dazu die Hausarbeit gleichzeitig jonglieren. Der ganze Druck sorgt auch für gewaltig viel Stress, was alle Aufgaben beeinflusst. Wie soll man bitte alles gleichzeitig hinkriegen und dazu auch noch gute Ergebnisse liefern??

Es stimmt natürlich, dass es die Verantwortung der Schülerinnen ist, ihre angegebene Zeit sinnvoll einzuteilen und auszunutzen. Aber andererseits ist es auch unfair zu erwarten, dass alle Schülerinnen perfekte Manager*innen sind und auch hinkriegen, alle ihre Klausuren und die Facharbeit perfekt abzulegen.

Alle 13er und Abiturienten sprechen davon, wie glücklich sie sind, ihre Facharbeit hinter sich zu haben, da es aus Zeitgründen die stressigste Zeit ihrer Schulbahn sei. Wieso lässt man nicht daran was ändern? Kann man nicht wenigstens die Facharbeitsphase verschieben, sodass sie nicht mit der Klausurenphase überschneidet?

Sich viel zu beschweren bringt eigentlich nicht viel und hilft den Stresspegel auch nicht. Trotzdem wünsche ich allen momentanen und den nächsten 12ern viel Erfolg mit der Facharbeit.


© Stroemsheet