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Ist der Zukunftstag ungerecht?

Bald ist es wieder so weit – Zukunftstag. Einen Tag lang einen Beruf entdecken und Einblicke in die Welt nach der Schule bekommen. Oder – wie es auf der Website der Stadt Hannover steht, sobald man tatsächlich einen Platz sucht, und auf den nächsten Ergebnissen einer Websuche sogar im Titel  der Website – „Girl’s day, Boy’s day“.

Der Sinn hinter dieser Trennung nach Geschlechtern ist mehr Gleichberechtigung der Geschlechter. Klingt erstmal widersprüchlich, ist aber genau durchdacht: Jungen sollen sich am Boy’s day Berufe angucken, deren Ausbildungen bzw. Studiengänge weniger als 40% Männeranteil haben, umgekehrt sollen Mädchen Berufe kennenlernen, die unter 40% Frauenanteil haben. Das Ziel ist, dass die entsprechenden Berufe für Jungen bzw. Mädchen entstigmatisiert werden und in Zukunft mehr diesen Beruf wählen.

Grundsätzlich ist eine Entstigmatisierung von Berufen, die vor allem einem Geschlecht zugeordnet werden, für das andere Geschlecht erstmal gut. Trotzdem führt dieses Prinzip zu Situationen wie: Eine Redakteurin von Strömsheet bewirbt sich bei der Stadtbibliothek, weil sie gerne liest und den Beruf der Bibliothekarin kennenlernen möchte. Doch bei der Anmeldung bekommt sie gesagt, sie könne nicht zur Stadtbücherei gehen, weil die nur beim Boy’s day mitmacht und sie als Mädchen da nicht hin kann.

Was im Grundgedanken also Gleichberechtigung fördert, verstellt gleichzeitig Türen für junge Menschen, die einen Beruf kennenlernen wollen, der sie interessiert. Stattdessen werden sie in Berufsfelder gesteckt, die sie vielleicht interessieren oder eben auch nicht, damit sie dort den Tag verbringen. Im besten Fall erwacht Interesse und es entsteht Gleichberechtigung. In allen anderen Fällen wird ein Tag abgesessen, der vielleicht Spaß macht, vielleicht aber auch nicht, und vielleicht auf den Beruf aufmerksam macht, vielleicht aber auch nicht.

Gleichberechtigung ist wichtig, und es ist auch extrem wichtig, die Hemmschwelle zu senken, geschlechterspezifisch konnotierte Berufe zu ergreifen.  Vielleicht ist hier aber eine andere Methode besser geeignet, die nicht so exkludierend ist und nicht schon wieder eine Trennung zwischen Mädchen und Jungen macht, die sie ja eigentlich abzubauen versucht. Im Grundsatz sind die „Radare“ auf den Websites des Boy’s days bzw. des Girl’s days ja nicht schlecht, sie zeigen Berufe und Einrichtungen in der Nähe, deren Berufsfelder tendenziell eher dem anderen Geschlecht zuzuordnen sind. Aber vielleicht funktioniert es auch, das als Anreiz so stehen zu lassen und diese Einrichtungen nicht exklusiv für Mädchen bzw. Jungen zu machen

Obwohl dieser Versuch der Gleichstellung der Geschlechter bei Berufen durch Angleichung der Geschlechteranteil ein wichtiger und richtiger Schritt ist, muss aber trotzdem noch mehr passieren. Auch in Berufen, in denen der Geschlechteranteil rein von den Zahlen her ungefähr bei 50/50 ist, gibt es große Abweichungen, je höher man in der Rangfolge guckt. Immer noch sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert, und vor allem häufig in Berufen in Führungspositionen, die eine sehr hohe Frauenquote haben. Vielleicht wäre auch hier ein guter Ansatz für Gleichberechtigung – statt aufgrund von Klischees in ein Berufsfeld zu gucken, könnte man junge Menschen unterstützen, ihren Wert besser zu verkaufen, und insbesondere jungen Mädchen (aber auch Jungen, sonst schließen wir wieder Menschen aus und das ist nicht was wir wollen) beibringen, dass sie sich für ihre Ziele durchsetzen können und dürfen.


© Stroemsheet