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Führerschein mit 16 – braucht es den in einer Stadt überhaupt? Ein Plädoyer

Erstellt von Nele Hein | | Der Rest.

Ein halbes Jahr nach dem sechzehnten Geburtstag ist es gesetzlich erlaubt, mit der Führerscheinausbildung anzufangen. Das begleitete Fahren ab siebzehn ist zurzeit ein großes Thema im elften Jahrgang, viele befinden sich bereits mitten in der Ausbildung und einige sind sogar schon fertig.

Aber aus welchem Grund braucht man den Führerschein in einer Großstadt wie Hannover, in der jede Ecke mit Bus- und Bahnverbindungen abgedeckt ist?

Eine Elftklässlerin erklärte dazu in einem Interview: „Ich mache den Führerschein jetzt schon, weil ich denke, dass das im Moment noch relativ stressfrei ist, im Gegensatz zu der zwölften oder dreizehnten Klasse. Ich könnte das zwar auch nach dem Abitur machen, aber wenn ich beispielsweise in einer anderen Stadt studieren möchte, wäre es sehr hilfreich, den Führerschein schon in der Tasche zu haben.“

Viele Elftklässler wollen mit dem Führerschein fertig sein, bevor die Oberstufe richtig beginnt und die Vorbereitungen aufs Abitur losgehen. Vergleichsweise dazu hat man in der Einführungsphase nämlich viel Zeit, die man in die Fahrausbildung investieren kann.

In unserer Redaktion gibt es eine Schülerin, die zwar alt genug wäre, den Führerschein zu machen, es aber dennoch nicht tut. „Ich selbst fühle mich zu unsicher, um mich hinter das Lenkrad eines mehreren Tonnen schweres Auto zu setzen und allein die Kontrolle über es zu haben – oder eben auch nicht!“, berichtet sie ganz offen. „Zudem habe ich auch ohne diesen ganzen zusätzlichen Lernstoff schon genug zu tun mit der Schule und einem Verein, in dem ich ehrenamtlich arbeite. Ein weiterer Grund dafür ist, dass ich einfach keine Motivation dafür finde. Warum sollte ich mich bei einer Fahrschule anmelden, wenn hier tagtäglich Busse und Bahnen fahren? Ein funktionstüchtiges Fahrrad habe ich auch. Zugegeben, vielleicht bin ich einfach zu faul, um mich dort einzuschreiben. Aber mal ehrlich, ich komme super ohne Auto zurecht!“

Ein von ihr nicht genannter Grund, der aber auch  – offensichtlich – dagegen spricht, ist die Sache des Geldes. Billig ist der Führerschein nicht gerade, angefangen bei der Grundgebühr für die Fahrschule über all die Beträge, die an den TÜV gehen bis hin zu jeglichen sonstigen Kosten. Man braucht also entweder spendable Verwandte, die alles bezahlen, ein Konto, auf dem seit Urzeiten dafür gespart wurde oder einen Nebenjob, um sich das leisten zu können. Angenommen, man konnte sich die Fahrausbildung leisten und hat den Führerschein bestanden. Was jetzt? Spätestens jetzt ist kein Geld mehr da, um sich ein eigenes Auto zuzulegen zumal die meisten nicht einmal achtzehn Jahre alt sind und somit nicht alleine fahren dürfen.

Eine bereits volljährige Elftklässlerin erklärt, weshalb sie trotz ihres Wunsches, das Fahren zu lernen, immer noch nicht damit angefangen hat: „Ich wüsste gar nicht, wann ich die ganze Theorie lernen sollte. Zeit dafür habe ich keine, meine Woche ist voll genug und in der wenigen Freizeit, die bleibt, möchte ich nicht nur zu Hause sitzen und lernen. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren Tag und Nacht und bringen mich überall hin. Im Moment scheint es einfach nicht notwendig, mit dem Führerschein anzufangen.“

Das wiederum ist gerade der Sinn daran, die Führerscheinprüfung so früh abzulegen. Viele Schüler, die das Begleitete Fahren ab siebzehn nutzen, tun das, um Sicherheit hinterm Steuer zu gewinnen, bevor sie ganz allein losfahren dürfen. Bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres darf man nämlich nur im Beisein einer volljährigen Begleitperson Auto fahren, die den Führerschein seit mindestens fünf Jahren hat.

Auf diese Weise hat man für ungefähr ein Jahr lang einen erfahrenen Autofahrer auf dem Beifahrersitz und kann sich Tipps holen sowie seine Unsicherheit überwinden. Der Beifahrer ist auch dazu da, übermütige junge Autofahrer wieder zur Vernunft zu bringen, bevor es gefährlich wird. Studien haben sich auch schon mit dem Fahren ab siebzehn beschäftigt. Dabei herausgekommen ist, dass je früher der Führerschein abgelegt wird, desto geringer ist das Risiko, einen Unfall zu verursachen.

Ein sechzehnjähriger Schüler äußert sich wie folgt: „Wenn ich den Führerschein schon mache, wenn ich noch keine achtzehn Jahre alt bin und noch zur Schule gehe, habe ich keinen Stress während des Studiums und kann mich so ganz auf das Lernen der Studieninhalte konzentrieren. Außerdem bin ich so in keinster Weise abhängig von irgendwelchen Bussen oder Bahnen und muss mich auch nicht mehr nach den Zeiten richten, zu denen es meinen Eltern passen würde, mich abzuholen. Auf das Wetter muss ich dementsprechend auch nicht mehr achten, was zum Beispiel beim Fahrradfahren ja eine große Rolle spielt.“

Es bleibt jedoch noch immer folgende Frage offen: Wozu den Führerschein ablegen, wenn es die öffentlichen Verkehrsmittel gibt? Nahezu überall in Hannover befinden sich etliche Bus- und Bahnlinien in erreichbarer Nähe. Klar, besonders an Sonn- und Feiertagen lassen die Fahrtzeiten zu wünschen übrig, aber theoretisch lässt sich so alles relativ unproblematisch erreichen. Ein weiterer Pluspunkt der Öffis ist, dass man das Fahren jemand anderem überlassen und sich mit Kopfhörern in den Ohren entspannt zurücklehnen kann.

Zudem reden alle immer über die Bildung von Fahrgruppen, um die Umwelt weniger zu verschmutzen. Sind Busse und Bahnen nicht spezielle Arten von Fahrgruppen? So tut man also gleichzeitig der Umwelt etwas zuliebe – oder aber man beschränkt sich gleich aufs Fahrrad.

Es kann jedoch auch durchaus vorteilhaft sein, die Führerscheinausbildung in einer Großstadt wie Hannover abzuschließen. Diese Meinung vertritt eine Siebzehnjährige aus dem elften Jahrgang: „In Großstädten lernt man am besten Auto fahren, weil man hier auf jede Situation vorbereitet wird. Egal ob verhältnismäßig verlassene Landstraßen oder überfüllte Innenstädte, wenn man die Prüfung besteht, findet man sich überall problemlos zurecht. Die Versicherung ist außerdem günstiger, wenn man den Führerschein vor Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres ablegt. Und ich möchte damit fertig sein, wenn ich mein Abitur schaffe, weil man danach häufig reisen will oder Kurztrips in andere Städte macht und das mit dem Auto sehr viel einfacher ist als mit dem Zug. In der ganzen Zeit vor dem Abi hat man so auch viel Zeit zum Üben gehabt und ist viel sicherer hinterm Steuer als wenn man die Prüfung macht und direkt allein weite Strecken fährt.“

Für jene Schüler, die schon volljährig sind, bringt das Absolvieren des Führerscheins einen weiteren Pluspunkt mit sich: Häufig hat man bessere Chancen, bei einem Nebenjob angenommen zu werden, wenn man einen Führerschein aufweisen kann. Natürlich spielt das nur bei den Jobs eine Rolle, bei denen die Fahrerlaubnis überhaupt notwendig wäre.

Die Eltern einer Strömsheet-Redakteurin unterstützen sie tatkräftig und stehen hinter der Idee des begleitenden Fahrens ab siebzehn: „Es ist nur sinnvoll, die Kinder so früh wie möglich fahren zu lassen. Auf diese Weise können sie üben, während wir neben ihnen sitzen und jederzeit einspringen können. Diese Sicherheit ist nach dem 18. Lebensjahr nicht mehr unbedingt gegeben.“

Aus den oben genannten Argumenten lässt sich entnehmen, dass es für die meisten Jugendlichen sinnvoll ist, mit der Fahrausbildung so früh wie möglich zu beginnen – selbst wenn sie in Großstädten leben. Das Auto gehört zum menschlichen Leben dazu und ist kaum noch wegzudenken, auch wenn das der Umwelt leider nicht zugute kommt.

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Die Entscheidung fällt schwer - welches soll sie nehmen?
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Sehnsüchtig wartet Nele auf die Abschließung ihrer Führerscheinausbildung.
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Weg vom Fahrrad, hin zum Auto
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Sie möchte endlich ein richtiges Auto fahren!
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Dieses Auto soll es werden!