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Über Stockschwämmchen, Frauentäublinge und Co.

Eine etwas andere Schulperspektive von Franziska Wittmann

Ein Schultag mit Pilzen

Fühlst du dich auf dem Weg zur Schule auch manchmal so beobachtet? Vielleicht ja vom unverschämten Ritterling, der da am Wegesrand steht, mit Unschuldsmiene und scheinbar lammfromm. Aber nein, eigentlich ist er genau so ein Stalker wie ich, nur halt in männlich und - wer hätte das gedacht - unverschämt.

Den Ritterling kann man ja grad noch so verdauen, aber wenn man dann noch neben einer Stinkmorchel sitzen muss, und zwar volle 90 Minuten lang, am frühen Morgen, dann ist der Tag auch schon fast gelaufen.

Von Übelkeit, als Folge der Benebelung mit dem penetranten Geruch der Stinkmorchel, kämpft man sich nach dieser Qual wankend durch die Massen der Schüler auf den Gängen, deren kreischende Stimmorgane Totentrompeten gleichkommen.

Hat man diese potentielle Kopfschmerzgefahr erst mal gebannt, indem man endlich in zunächst ruhigeres Gebiet aka Pausenhalle gelangt, muss man sich zwanzig Minuten gemeinsam mit eingebildeten, Breitblättrigen Glucken und deren abstoßenden Satansröhrlingen  um die Ohren schlagen.

Und das alles nur, um am Ende zwischen perversen Riesen Scheidenstreiflingen oder rotbraunen Scheidenstreiflingen zu hocken und scheinbar konzentriert dem einstudierten Monolog des vorne rumspringenden, aufgeregt wirkenden Blutroten Hautkopf  zu lauschen…

Nach der zweiten Pause, die genau so abläuft wie die erste, wird einem noch die Folter in Form von Sportunterricht angetan, nach welchen man wegen akutem Sauerstoffmangel durch dauerhaft geschlossene Fenster aussieht wie ein violetter Myxomyceten-Pusterpilz zwischen einer Ansammlung von runden, unsportlichen Kartoffelbovisten und schwitzenden, semmelbraunen Schleimköpfen.

Wenn man jetzt noch das Pech hat, sich an eine AG gebunden zu haben, muss man wohl oder übel im Dunkeln nach Hause. Im Glauben, allein zu sein, grüßt man auf dem Rückweg den altbekannten Unverschämten, der einem treu an gewohnter Stelle stehend hinterherspioniert, und verrät sich dabei an eine Gruppe Binsenkeulen, Eierschwämmerln  und Stockschwämmchen, von denen man hofft, dass keiner ein Frauentäubling ist.

Spätestens, wenn’s zum Abendbrot Flaschenstäublinge gibt, weißt du, dass dieser Tag unmöglich real sein konnte. Das waren definitiv zu viele Pilze.